Eduard Goldmann wurde am 11. Juni 1914 in Wien-Mariahilf geboren und besuchte dort die Volks- und Bürgerschule sowie die Handelsakademie. Sein Leben war geprägt von gesellschaftlichem und politischem Engagement. Bereits im Jahr 1934 engagierte er sich vehement gegen den Austrofaschismus.
Eduard Goldmann (1914 bis 2010)
Als er schließlich von Wien nach Kaprun kam um beim Bau der Tauernkraftwerke zu helfen, begann er sich umgehend gegen das nationalsozialistische Regime zu betätigen. Mit zwei Männern, die sich ebenfalls als Nazigegner ausgaben, hörte er heimlich ausländische Sender ab und verglich den Inhalt mit der nationalsozialistischen Propaganda. Aus Angst entdeckt zu werden, erstatteten die beiden Männer jedoch Selbstanzeige.
Zwar hüteten sie sich davor, Eduard Goldmann schwerer zu beschuldigen und ihn als Rädelsführer zu brandmarken, dennoch wurde auch Eduard Goldmann am 17. Juli 1941 von der Gestapo verhaftet und zunächst in das Amtsgericht Zell am See gebracht. Von dort wurde er nach Salzburg in das Landesgericht überstellt, wo auch der Prozess gegen ihn stattfand. Im August 1941 verurteilte man Eduard Goldmann zu einer Zuchthausstrafe von eineinhalb Jahren.
Erinnerung an die Salzburger Opfer des Nationalsozialismus
Dies stellte sich jedoch als Trugschluss heraus. Denn abgesehen von einer kurzen Haftunterbrechung lagen rund vier Jahre NS-Barbarei vor ihm. Im März 1944 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt, wo er als Schreiber mit der Häftlingsnummer “21999″ arbeiten musste. Er nutzte dabei aber die Chance, Menschen vor dem sicheren Tod zu retten, indem er heimlich Listen fälschte. Dabei wurden noch lebende Personen als verstorben eingetragen, um sie so vor dem Vernichtungslager zu bewahren.
Doch die Fälschungen flogen auf. Zur Strafe wurden Eduard Goldmann und andere Mithelfer mit Hundepeitschen geschlagen. „Das nächste Mal kommt ihr alle in den Rost“, schrie sie ein SS-Obersturmführer an.
Das Eingangstor zum Konzentrationslager Buchenwald: “Jedem das seine”
Im Konzentrationslager Buchenwald lernte er auch seinen späteren Freund Marko Feingold, heute Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, kennen. Erst mit der Befreiung des Lagers im April 1945 durch amerikanische Truppen wurde das Leben der beiden gerettet.
Sein politisches Engagement setzte er nach 1945 in der Sozialistischen Partei und im Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer, u. a. als langjähriger Landesvorsitzender, fort. Zudem organisierte er gemeinsam mit dem ebenfalls heimgekehrten Marko Feingold die Versorgung der „KZler“. So wurde im Peterskeller eine Küche eingerichtet, in der täglich zwei Mahlzeiten gegen die Vorlage von Lebensmittelkarten ausgegeben wurden. Über 80.000 Portionen wurden dabei in den ersten fünf Monaten benötigt.
Delegiertenkarte zur Bundeshauptversammlung 1984 der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen
Eduard Goldmann war darüber hinaus Mitglied der Rentenkommission der Salzburger Landesregierung, Mitglied der Opferfürsorgekommission beim Bundesministerium für Soziales und später im Pensionistenverband tätig. Wesentliche Bedeutung kam Goldmann als Zeitzeuge zu: Er hielt zahlreiche Vorträge an Schulen sowie bei Lehrveranstaltungen an der Universität und leistete wichtige Beiträge zur Aufarbeitung autoritärer Systeme.
Nach jahrelangem Drängen wurde am 22. September 1997 am Salzburger Lokalbahnhof eine Gedenkplatte zur Erinnerung an die Hinrichtung dreier mutiger Eisenbahner in den Boden eingelassen.
Eduard Goldmann wurde auch mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ehrenzeichen für die Befreiung Österreichs, dem Silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich, der Viktor-Adler-Plakette und der Otto-Bauer-Plakette, der Bruno Kreisky Medaille in Silber, dem Bürgerbrief der Landeshauptstadt Salzburg und dem Stadtsiegel in Gold. In Würdigung seiner Verdienste um die Stadt Salzburg wurde Goldmann im Juni 2009 die ”Wappenmedaille der Landeshauptstadt Salzburg in Gold” verliehen.
60 Jahre Bund sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen – Feierlichkeiten in Wien u. a. mit Dr. Michael Ludwig und Abg.z.NR a. D. Ernst Nedwed
Eduard Goldmann starb am 12. April 2010 im Alter von 96 Jahren. Wir werden ihn niemals vergessen!