Archiv der Kategorie: KAMINGESPRÄCHE

Wahlrechtsreform aktuell: Demokratie im Umbruch

Das Renner-Institut Salzburg und die Salzburger SPÖ laden zu einem Kamingespräch mit Professor Mag. Dr. Klaus Poier von der Universität Graz zum Thema “Wahlrechtsreform” sehr herzlich ein.

Montag, 26. März 2012, 19 Uhr
Renner-Institut Salzburg, Auerspergstraße 42, 5020 Salzburg

Die demokratiepolitische Entwicklung Österreichs nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist zweifelsohne eine Erfolgsgeschichte. Anlässlich der Korruptionsvorwürfe ist unser politisches System jedoch in Misskredit gekommen. Aus diesem Umstand ergibt sich die Notwendigkeit einer Reformdebatte, in dessen Zentrum die Frage nach einer Verstärkung direktdemokratischer Elemente wie auch einer Reformierung des Wahlrechts, in Hinblick auf die Einführung eines Mehrheitswahlrechts oder die Verankerung von Persönlichkeitselementen ins bestehende Wahlrecht, ergibt.

Der bekannte Grazer Jurist Dr. Klaus Poier wird dazu am 26. März Stellung nehmen und seine Vorschläge für eine Wahlrechtsreform in Österreich präsentieren. Die Frage nach einem geeigneten Wahlsystem oder die Forderung nach einer Stärkung direkt-demokratischer Elemente werden dabei zur Diskussion stehen.

Zur Person:
Mag. Dr. Klaus Poier ist Assistenzprofessor am Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre der Karl-Franzens-Universität Graz, von 2003 bis 2005 fungierte er als Mitglied des Österreich-Konvents, er ist Obmann des Dr.-Karl-Kummer-Instituts für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik in der Steiermark und Generalsekretär des Club Alpbach Steiermark und Mitglied des Leitungsauschusses des Europäischen Forum Alpbach;

Interview mit Dr.in Susanne Rolinek: “Geraubte Kunst”

Dr.in Susanne Rolinek hielt am 29. September 2011 im Renner-Institut Salzburg einen Vortrag über „Provenienzforschung in Salzburg“. Im nachfolgenden Interview spricht sie über ihre Arbeit und über zukünftige Herausforderungen. Das Interview führte Dominik Krempler, Praktikant in der Salzburger SPÖ.

Dr.in Susanne Rolinek

Dominik Krempler: Viele Menschen können sich unter „Provenienz“ oder „Provenienzforschung“ nur sehr wenig bis gar nichts vorstellen. Mit welchen Themen beschäftigt sich dieses Forschungsfeld nun konkret und wie sind sie eigentlich auf diesen Pfad gestoßen?

Dr.in Susanne Rolinek: Provenienz an sich beschäftigt sich mit „Herkunft“, Provenienzforschung daher sinngemäß mit „Herkunftsforschung“. Das Forschungsgebiet an sich gibt es erst seit einigen Jahren in der heutigen Form. Es beschäftigt sich vor allem, aber nicht nur, mit der Aufarbeitung von während der NS-Zeit entzogenen bzw. enteigneten Objekten, egal ob Eigentums- oder Vermögenswerte. Die Zeit des Nationalsozialismus mit dessen systematischen Enteignungen und Beschlagnahmungen ist dabei natürlich von erhöhter Brisanz.

Zu meiner Person ist zu sagen, dass ich mich schon seit meiner Matura und verstärkt dann natürlich mit dem Studium mit derartigen Fragen beschäftige. Außerdem bin ich auch während meiner Forschungstätigkeit auf diesen Themenbereich gestoßen. Schließlich habe ich mich dann erfolgreich beim Museum der Moderne Salzburg beworben, da dort für die Aufarbeitung der Sammlung jemand gesucht wurde – und seit Mai 2011 bin ich als Provenienzforscherin im Salzburg Museum, welches sich zum Ziel gesetzt hat, sich mit der systematischen Aufarbeitung von potentiellen Restitutionsobjekten in ihrer Sammlung zu beschäftigen und eine Dokumentation zu erstellen.

Krempler: Seit wann ist diese Thematik eigentlich in der österreichischen Öffentlichkeit präsent bzw. gab es in dieser Hinsicht einen bestimmten Anlass, sich mit derartigen Fragestellungen zu beschäftigen?

Rolinek: Nach 1945 waren es vor allem die Alliierten, die sich mit Restitutionsfragen in Österreich beschäftigten. Danach ist diese ganze Sache mehr oder weniger im Sand verlaufen, bis dann 1998 mit der Beschlagnahmung des Bildnis „Wally“ von Egon Schiele auch eine breitere Öffentlichkeit in Österreich wieder auf diese Thematik aufmerksam wurde und heftige Debatten über NS-Raubkunst und Restitutionen auslöste. Als Folge dessen kam es dann auch zur Einführung einer Kommission für Provenienzforschung für Bundessammlungen und zur Beschlussfassung des sogenannten Kunstrückgabegesetzes auf Bundesebene.

Krempler: Welche ethnischen Gruppierungen waren in besonderem Maße von Enteignungen ihres Vermögens bzw. Eigentums betroffen und welche Rolle spielten dabei führende NS-Funktionäre in Salzburg?

Rolinek: Vor allem waren es Juden, politisch Andersdenkende, Homosexuelle, Roma und Sinti, aber auch katholischen Institutionen, wo es infolge zu umfangreichen Klösterenteignungen kam. Im Salzburger Kontext sind vor allem die NS-Funktionäre Kajetan und Josef Mühlmann und Friedrich Welz zu nennen. Kajetan Mühlmann beispielsweise hatte eine eigene „Dienststelle“ in Den Haag, die als Drehscheibe für geraubte Kunst in Europa diente, er war einer der bedeutendsten Kunsträuber der NS-Zeit.

Krempler: Wie sieht es mit der Aufarbeitung von Restitutionsfällen in Österreich bzw. Salzburg konkret aus?

Rolinek: Mit dem Bundesgesetz von 1998 („Kunstrückgabegesetz“, Anm.) und der Einsetzung einer Kommission zur Provenienzforschung kam es zu umfangreichen Untersuchungen und zur gleichzeitigen Aufarbeitung von NS-Raubkunst in den Bundessammlungen. In Salzburg wurde dann das Landesarchiv beauftragt, zu den Beständen der ehemaligen Landesgalerie (1942-1944) zu recherchieren. Zeitgleich dazu nahm auch die Forschungstätigkeit in diesem Themenkomplex zu, unter anderem mit der Aufarbeitung der Geschichte der Residenzgalerie in den Jahren 1939-1955 und der Rolle von Friedrich Welz. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch zu erwähnen, dass das Salzburg Museum beschlossen hat, den 2002 getroffenen Landtagsbeschluss zur Restitution von „Gegenständen geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung“ anzuwenden, obwohl es als kommunales Museum dazu gar nicht verpflichtet wäre.

Krempler: Abschließend noch die Frage: Welche zukünftigen Herausforderungen in diesem Forschungsgebiet sehen Sie und in welchen Bereichen lässt die Aufarbeitung noch zu wünschen übrig?

Rolinek: Es sollten einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen (Bundesgesetz und Landtagsbeschlüsse, Anm.) sowohl für den Bund, als auch für die Länder und Kommunen geschaffen werden, damit auch die kommunalen Einrichtungen rechtlich in der Aufarbeitung erfasst sind. Zudem wäre eine Kommission für Restitutionsentscheidungen mit ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen auch in den Ländern wünschenswert, wie es ja bereits auf Bundesebene mit dem Beirat geregelt ist, der Beschlüsse fasst.

Krempler: Frau Dr.in Rolinek, ich danke für das Gespräch.

Kamingespräch mit Dr.in Susanne Rolinek

Das Renner-Institut Salzburg und die FreiheitskämpferInnen Salzburg laden zu dem Kamingespräch “Provenienzforschung – Die Frage nach der Herkunft” mit der bekannten Salzburger Historikerin und Provenienzforscherin Dr.in Susanne Rolinek sehr herzlich ein.

Donnerstag, 29. September 2011, 19:00 Uhr
Renner-Institut Salzburg, Auerspergstraße 42, 5020 Salzburg

Das Gemälde "Wally" von Egon Schiele.

Die Beschlagnahmung des Gemäldes „Wally“ von Egon Schiele im Jänner 1998 in New York auf Betreiben der Erben der ehemaligen Eigentümerin hatte international heftige Debatten ausgelöst und die Notwendigkeit umfassender Recherchen zur Geschichte von Kunst- und Kulturgütern während der NS-Zeit vor Augen geführt. Zwischen 1933 und 1945 wurde Juden und anderen „unerwünschten“ Personengruppen im Deutschen Reich systematisch Eigentum und Vermögen entzogen. Später verschenkte oder verkaufte man es an Museen oder Galerien.

Heute ist es für Museen und öffentliche Sammlungen unabdingbar, die Herkunft (Provenienz) ihrer Objekte zu überprüfen. Die Provenienzforschung etablierte sich in diesem Zusammenhang seit Ende der 1990er Jahre als eigener Forschungszweig. Kaum bekannt ist jedoch, dass bereits die Alliierten – und hier vor allem die US Armee – nach dem Ende der NS-Herrschaft umfangreiche Nachforschungen betrieben hatten. Beim Kamingespräch wird Dr.in Susanne Rolinek über ihre langjährige Tätigkeit im Bereich der Provenienzforschung zu sprechen kommen und ihre Arbeit aus Salzburger Sicht erläutern.